
Constantin Film räumt die Aktien auf – und sucht einen Käufer
Die Umwandlung aller Vorzugsaktien macht einen Verkauf möglich. Die Schweizer Mutter muss bis Ende November 64 Millionen Euro tilgen.
von AdminCut
Constantin Film hat auf einer außerordentlichen Hauptversammlung alle stimmrechtslosen Vorzugsaktien in stimmberechtigte Stammaktien umgewandelt. Das Unternehmen selbst nennt den Schritt eine Vereinfachung seiner Struktur. Er macht vor allem eines möglich: den Einstieg eines neuen Investors.
Der Grund steht eine Ebene höher. Die Schweizer Muttergesellschaft Highlight Communications muss bis Ende November ein Bankdarlehen von rund 64 Millionen Euro zurückzahlen. Nach den Beschlüssen kann Highlight ein Drittel von Constantin verkaufen, ohne die Kontrolle zu verlieren.
Damit ist die Reihenfolge klar, in der man die beiden Meldungen lesen muss.
Eine Aktienumwandlung ist für sich genommen Buchhaltung. Zusammen mit einer Frist im November ist sie eine Verkaufsvorbereitung. Wer ein Drittel eines Studios anbietet, verkauft keinen Anteil an einer Idee, sondern deckt eine Verbindlichkeit.
Die Umwandlung selbst kostet die bisherigen Vorzugsaktionäre nichts und bringt ihnen sogar etwas: Sie tauschen ein Papier ohne Stimmrecht gegen eines mit. Genau darin liegt der Zweck. Ein Käufer, der einsteigt, will mitbestimmen, und eine Beteiligung ohne Stimme ist schwerer zu verkaufen als eine mit. Wer die Struktur aufräumt, räumt sie für jemanden auf.
Für den deutschen Film ist das mehr als eine Bilanzfrage. Constantin ist das größte Produktions- und Verleihhaus des Landes und finanziert einen erheblichen Teil dessen mit, was hierzulande ins Kino kommt. Wem das Haus gehört, entscheidet mit darüber, welche Stoffe überhaupt entstehen – und ob ein Verleih auch dann noch einen mittelgroßen deutschen Film aufnimmt, wenn er sich nicht international auswerten lässt.
Wer als Käufer in Frage kommt, ist offen. Ebenso, ob es bei einem Drittel bleibt.